- Start-Ziel: Feriolo am Lago Maggiore
- Strecke: Domodossola, Simplonpaß, Brig, Furkapaß, Nordrampe des Gotthardpasses, Wassen, Sustenpaß, Innertkirchen, Grimselpaß, Ulrichen, Nufenenpaß, Airolo, Brissago, Locarno, Cento Valli, Santa Maria Maggiore, Domodossola, Feriolo.
- Dauer: 2 –Tage mit Übernachtung auf dem Grimselpass, Hotel Alpenrösli (Doppelzimmer ca 85 SFr)
- Länge: 492km
Sommer, Sonne und Lago Maggiore,
die besten Voraussetzungen eine Motorradtour in der Zentralschweiz durchzuführen. Wir hatten vor ein paar Tagen unser Lager am Lago Maggiore aufgeschlagen und uns nach der langen Anfahrt aus dem Rheinland erholt.
Wir, das sind Heidi, Inge auf KLE500, Virago und Andreas, Dietrich, jeweils auf GPZ 1100. Das Tourenfieber hatte uns inzwischen wieder eingeholt und so planten wir die nächste Etappe. Von Feriolo am Lago ausgehend über den Simplon, Furka mit einem kleinen Abstecher zum Gotthard, dann Susten, Grimsel, Nufenen und über das Centovalli und Domodossola wieder zurück. Zwei Tage sollten ausreichen.
Über Nacht ging eines dieser gewaltigen Alpengewitter über dem Campingplatz nieder, hatte sich aber am nächsten Morgen bis auf ein paar kleine Fetzen aufgelöst. Die Sonne schien, als wir uns über die S33 nach Domodossola auf den Weg machten.
Diese vierspurige Schnellstraße verläuft im Val d´Ossola entlang des Toce und verschwindet dann zweispurig kurz hinter Domodossola in einem 2.800m langen, feuchten und schlecht beleuchteten Tunnel.
Der Simplon, Napoleons Alptraum
Die Anfahrt zum Simplon Paß von der italienischen Seite ist gut ausgebaut. Lawinengalerien schützen die Straße in der Gondoschlucht und der Grenzübergang in die Schweiz ist kaum frequentiert. Sehenswert sind drei Punkte. Kurz hinter der Grenze, nach der zweiten Serpentine bietet ein kleiner Rastplatz eine grandiose Aussicht auf die Gondoschlucht. Man kann nur erahnen, was Napoleons Soldaten beim überschreiten dieses Passes durchgemacht haben.
Simplondorf lädt ebenfalls zum Verweilen ein. Mehrere Gasthöfe betreiben im Sommer Gartenwirtschaften, wobei das Essen vorzüglich und die Aussicht auf die Berge grandios ist.
Ein Stückchen oberhalb von Simplondorf findet man einen kleinen Rastplatz. Von hier genießt man einen unbeschreiblichen Ausblick auf den Weissmies und den Weissmiesgletscher.
Wolkenfetzen fliegen beinahe greifbar über die Passhöhe, als wir oben ankommen. Hier sind die Spuren des nächtlichen Gewitters noch eindeutig spürbar. Die Luft ist feuchtkalt und der Wind bläst gar fürchterlich. Wir halten uns daher nicht lange auf und nehmen die Abfahrt hinab ins Wallis unter die Räder. Unspektakulär windet sich die Straße hinab nach Brig.
Brig, Grenze zwischen Wallis und Goms?
Brig stellt die Grenze zwischen dem Wallis nach Süden und dem Goms nach Norden dar. Hier befindet sich einer der Knotenpunkte der Furka-Oberalp Bahn und im Mittelalter war Brig ein wichtiger Säumerknotenpunkt für den Handel ins Tessin.
Von Brig ausgehend folgend wir der jungen Rhone, auch Rotten genannt flußaufwärts, denn ihre Quelle am Rhonegletscher zwischen Grimsel und Furka ist unser Ziel.
Das Wallis, vielen nicht bekannt, ist der Kanton mit den meisten Sonnentagen. Entsprechend warm ist es im Goms.
Dieses Hochtal liegt auf 1.300 m und einige leicht bekleideten Biker hatten sich hier schon während einer Tour einen Sonnenbrand geholt.
Zügig kurven wir in Richtung Furkapaß. Die kleinen Ortschaften am Wegesrand zeigen noch den typischen Baustiel der Walser, die dieses Tal in früheren Tagen besiedelt hatten.
Es lohnt sich ab und zu anzuhalten und ein paar schöne Photomotive einzufangen.
Gletsch und der Rhonegletscher
Bei Oberwald haben wir das Ende des Goms erreicht und die Straße windet sich nun in abenteuerlichen Serpentinen links einem Taleinschnitt folgend den Berg hinauf, immer streng der alten Trasse der Furkabahn und der Rhone folgend.
Man genießt einen bombastischen Ausblick auf die Kehren der südlichen Grimselpaßstraße, ja es scheint, als ob der Berg nur aus Kehren bestünde.
Kurz darauf erreichen wir Gletsch. Dieser Ort war in früheren Tagen schon bekannt, war er doch Ziel des englischen Hochadels, der hier angesichts des Rhonegletscher und der guten Luft oft verweilte. Gletsch besteht heute noch aus mehreren Hotels und Herbergen, sowie des Betriebshofes der Interessengemeinschaft Furkabahn.
Diese Interessengemeinschaft hat inzwischen eine Aktiengesellschaft zum Erhalt der historischen Furkabahn gegründet und im Sommer ziehen Kolonnen von freiwilligen den Furka hinauf um die Bahnstrecke wieder einsatzbereit zu bekommen.
In Gletsch teilt sich die Paßstraße. Links schlängelt sie sich zum Grimsel hinauf, rechts folgend erreichen wir den Rhonegletscher am Hotel Belvedere und den Furkapaß.
Doch zuerst genießen wir ein opulentes Mittagsmal auf der Terrasse, mit direktem Blick auf den Rhonegletscher.
Die Furka, Grenze zwischen Wallis und Uri
Wir überqueren die Rhone (Rotten) und
folgen nun am rechten Berghang der Furkapaßstraße.Diese
Straße wurde über die letzten Jahre Zug um Zug ausgebaut
und bietet heute genügend Platz und Sicherheit.Links von uns, an
der gegenüber liegenden Bergseite liegt der Rhonegletscher, der
sich Stück um Stück näher ins Bild rückt. Kurz
unterhalb des Hotels Belvedere liegt hinter einer Serpentine ein
kleiner Rastplatz.Von hier aus gelangt man zu Fuß die wenigen
Meter zum Rhonegletscher, an den man jedoch aus Gründen der
unerwarteten Eisabbrüche, nicht zu dicht herangehen sollte.Wir
lassen das Hotel Belvedere mit seinem Touristenrummel rechts liegen
und erreichen nach wenigen hundert Metern die Paßhöhe.Von
hier oben genießt man einen weiträumigen Ausblick in
Richtung Gotthard und Oberalp und einen ungebremsten Blick hinab ins
Tal.Diese Paßstraße ist für Leute mit Höhenangst
allerdings nur bedingt geeignet.
Furka-Abfahrt und Gotthard–Nordrampe
Oben angekommen, ist erst einmal die berühmte Photosession
angesagt. Danach geht es abwärts in Richtung Realp.
Diese Paßstraße ist vom Schwierigkeitsgrad nicht zu
unterschätzen. Sehr schmal, mit direktem Blick ins Tal, am Rand
nur durch Steinpfosten begrenzt und rege durch Busse frequentiert,
schlängelt sie sich in engen Serpentinen nach unten.
Unseren beiden Damen war es dann auch recht mulmig zumute und wir
waren froh, als wir unten in einem Stück angekommen waren.
Von hier aus ist es dann nur noch ein kleines Stück bis nach
Hospental mit der Abzweigung rechts hoch zum Gotthard. Die
Gotthardstraße präsentiert sich im Vergleich zur Furka
Ostflanke dann eher wieder wie eine Autobahn. Breit ausgebaut, mit
großzügigen Kurvenradien windet sie sich nach oben. Wir
hatten Glück.
Vor dem Gotthardtunnel gab es keinen Stau, und somit auf der
Paßstraße nahezu kein Verkehr. Schnell war die Paßhöhe
mit dem Hospiz erreicht. Kurzer Aufenthalt, und wir fuhren die selbe
Strecke wieder zurück.
Gerade mal 15 Minuten dauerte die Abfahrt zurück nach
Hospental. Von hier ging es weiter hinab die Teufelschlucht bis nach
Wassen, wo wir die Einfahrt zum Sustenpass fanden.
Der Susten und der Steingletscher
Von Wassen aus gewinnen wir erst einmal durch mehrere Spitzkehren
und ein paar Steintunnel Abstand zum Talboden, wo der Verkehr auf der
Gotthardautobahn tobt. Die Straße legt sich nach Westen und
folgt der rechten Talflanke zum Susten. Gemächlich geht es,
unterbrochen durch leichte Kurven, bergauf.
Auf halber Höhe ändert sich dann das Bild komplett. Am
Ende des Tales angekommen, beginnt nun die Straße nach einem
Linksknick unterstützt durch etliche Serpentinen an Höhe zu
gewinnen. Wasserfälle rauschen neben der Straße nieder und
die Gegend wird steiniger und zerklüfteter.
Es lohnt sich hier die Fahrt kurz zu unterbrechen um die
Bergriesen auf sich wirken zu lassen, bevor einen der Scheiteltunnel
verschluckt und auf der Westseite ausspuckt. Wir stehen im Schnee,
und das im Juli. Etliche Biker nutzen die Gelegenheit für ein
Beweisphoto (logisch, wir natürlich auch).
Das Haslital oder die westliche Sustenfahrt
Die Passhöhe ist eigentlich nicht der schönste Punkt.
Außer einem Andenkenladen und einer kleinen Gaststätte
gibt es nichts. Die wahre Schönheit trifft man drei Kehren
weiter. Hier öffnet sich dem Betrachter ein unerwarteter
Ausblick auf den Steingletscher, oder sagen wir besser, was von ihm
übrig ist. In der Ferne in westlicher Richtung kann man schon
Innertkirchen erahnen. Ein Wasserfall bricht über ein
Steintunnel durch das die Paßstraße führt und der
Betrachter kann die Fahrzeuge den ganzen Weg bis hinab ins Tal
verfolgen.
Dieser westlichen Sustenstraße macht es Spaß zu
folgen, denn sie wurde komplett neu ausgebaut. Ein Hochgenuß
für Bike und Biker. Kurvenschwingen ist angesagt, bis uns die
Ankunft in Innertkirchen abrupt erwachen läßt.
Grimselhatz und das Hotel aus Holz
Es ist bereits später Nachmittag
und unsere Bikerinnen fangen an sich nach einer Bleibe und einer
Dusche zu sehnen.
Da wir oben auf dem Grimsel kein Zimmer
reserviert hatten, blieben Inge und Andreas kurz in Innertkirchen,
während wir die Grimsel nach oben pfiffen.
Trotz meiner 1.100ccm und 98PS ist es
mir nicht gelungen, die leichte KLE500 meiner Frau abzuhängen.
Nun ja, ich hatte das ganze Gepäck und meine Kawa wog mit mir
auch runde 100kg mehr (nur eine Ausrede – sagt meine Frau).
Nach knappen 20 Minuten waren wir
oben. Das erste Hotel oben am Paß heißt Hotel Alpenrösli.
Der freundliche Kellner fährt selbst Motorrad, und so waren
schnell die besten Zimmer für uns reserviert. Wir ließen
dann den Abend bei Hausmannskost ausklingen und fielen danach, sehr
früh, müde in unsere Betten.
Der Nufenen und die Murmeltiere
Nach einem kräftigen Frühstück
bestiegen wir am nächsten Morgen unsere Motorräder. Es ist
schon ein seltsames Gefühl, so früh am Morgen beinahe ganz
alleine oben auf dem Grimsel zu stehen und die Schatten der
aufgehenden Sonne zu verfolgen. Langsam ließen wir unsere
Motorräder an der Grimsel Südseite den Berg hinab rollen,
um dann in Gletsch wieder rechts ins Goms abzubiegen.
Wir hatten
hiermit den Kreis über Furka, Susten und Grimsel geschlossen.
Im Goms angekommen, führt uns in
Ulrichen die Nufenen Paßstraße nach links wieder in die
Berge. Wir wollen über diesen Paß wieder zurück ins
Tessin und über die alte Sankt Gotthard Straße zurück
zum Lago Maggiore.
Am Nufenen findet man selbst im Juli
noch riesige Schneewächten und Murmeltiere spielen ungeachtet
des Verkehrs neben der Straße.
Über die Passhöhe pfeift
immer ein sehr heftiger und böiger Wind und sorgt für
Druckausgleich zwischen dem Tessin und dem Wallis.
Die Straße von Ulrichen hoch,
schmal aber mit gutem Belag, die Abfahrt ins Tessin besteht zum
größten Teil aus Betonplatten. Hier ist speziell in den
Serpentinen Vorsicht geboten.
Der alte Gotthard
Von Airolo, über Ambri, Faido nach Biasca folgen wir der
ehemaligen Gotthardstraße. Die Straße windet sich
zwischen den Berghängen von links nach rechts und wird das eine
mal von der Gotthardeisenbahn und das andere mal von der Autobahn
geschnitten.
Bizzare Felsen, kühne Eisenbahnkonstruktionen und elegante
Autobahnbögen unterbrechen die Fahrt des öfteren.
Interessant ist vor allem die Gotthardbahn, die sich in mehreren
Tunnels nach oben schraubt.
Wie in einem Karussell verkehren die Züge bergauf und bergab
im 5 Minuten Takt. Die Landschaft verändert sich in einzelnen
Stufen. Oben bei Airolo noch schroffe Felsen und schmale Schluchten,
folgt die erste Terassenstufe in der Höhe von Faido, wo die Bahn
ebenfalls über mehrere Kehrentunnel den Höhenunterschied
kompensieren muß.
Danach ein etwas geweitetes Tal, welches sich kurz vor Biasca zur
Talebene nach Bellinzona hin ergießt, überwacht von der
alten Festung kurz vor Bellinzona. Da so gut wie kein Verkehr
herrscht, erreichen wir bald darauf Biasca und halten uns rechts
entlang der Berge über Lodrino und Moleno in Richtung Locarno.
Das Cento Valli
Locarno wird inzwischen durch ein Tunnel umfahren, welches uns
recht zügig nach Tegna und ins Cento Valli bringt. Das Tal der
hundert Täler ist mehr oder weniger eine ganz smale Straße,
die am rechten Berghang angeklebt uns in tausenden von Kurven in
Richtung Domodossola bringt.
Eine reale Geschwindigkeit von mehr als 30km/h ist kaum
realisierbar, was uns erlaubt die Landschaft dieses Naturspektakels
in allen Details zu genießen. Kommt dann einmal ein Auto
entgegen, wird es eng, denn die Italiener kennen diese Strecke und
fahren entsprechend zügig.
Bei Re überqueren wir die Grenze, zurück nach Italien.
Hier öffnet sich die Straße wieder auf eine normale Breite
und über Santa Maria Maggiore erreichen wir dann wieder
Domodossola und streben dem Lago Maggiore unserem Ausgangsziel zu.
Auf dem Zeltplatz angekommen, stürzten wir uns zu allererst
in die Fluten des Lago und ließen dann die Tour bei einer guten
Pasta ausklingen.
Bella Italia!
Autor: © Dietrich Pals Mai 2000 / Bilder Dietrich&Heidi Pals www.AlpenTourer.de