Fünf - Pässe Tour in der Zentralschweiz
Datum: Samstag, 26.Februar. @ 23:10:04 CET
Thema: Reiseberichte und -vorschläge


  • Start-Ziel: Feriolo am Lago Maggiore
  • Strecke: Domodossola, Simplonpaß, Brig, Furkapaß, Nordrampe des Gotthardpasses, Wassen, Sustenpaß, Innertkirchen, Grimselpaß, Ulrichen, Nufenenpaß, Airolo, Brissago, Locarno, Cento Valli, Santa Maria Maggiore, Domodossola, Feriolo.
  • Dauer: 2 –Tage mit Übernachtung auf dem Grimselpass, Hotel Alpenrösli (Doppelzimmer ca 85 SFr)
  • Länge: 492km
Sommer, Sonne und Lago Maggiore,

die besten Voraussetzungen eine Motorradtour in der Zentralschweiz durchzuführen. Wir hatten vor ein paar Tagen unser Lager am Lago Maggiore aufgeschlagen und uns nach der langen Anfahrt aus dem Rheinland erholt.
Wir, das sind Heidi, Inge auf KLE500, Virago und Andreas, Dietrich, jeweils auf GPZ 1100. Das Tourenfieber hatte uns inzwischen wieder eingeholt und so planten wir die nächste Etappe. Von Feriolo am Lago ausgehend über den Simplon, Furka mit einem kleinen Abstecher zum Gotthard, dann Susten, Grimsel, Nufenen und über das Centovalli und Domodossola wieder zurück. Zwei Tage sollten ausreichen.
Über Nacht ging eines dieser gewaltigen Alpengewitter über dem Campingplatz nieder, hatte sich aber am nächsten Morgen bis auf ein paar kleine Fetzen aufgelöst. Die Sonne schien, als wir uns über die S33 nach Domodossola auf den Weg machten.
Diese vierspurige Schnellstraße verläuft im Val d´Ossola entlang des Toce und verschwindet dann zweispurig kurz hinter Domodossola in einem 2.800m langen, feuchten und schlecht beleuchteten Tunnel.


Der Simplon, Napoleons Alptraum

Die Anfahrt zum Simplon Paß von der italienischen Seite ist gut ausgebaut. Lawinengalerien schützen die Straße in der Gondoschlucht und der Grenzübergang in die Schweiz ist kaum frequentiert. Sehenswert sind drei Punkte. Kurz hinter der Grenze, nach der zweiten Serpentine bietet ein kleiner Rastplatz eine grandiose Aussicht auf die Gondoschlucht. Man kann nur erahnen, was Napoleons Soldaten beim überschreiten dieses Passes durchgemacht haben.
Simplondorf lädt ebenfalls zum Verweilen ein. Mehrere Gasthöfe betreiben im Sommer Gartenwirtschaften, wobei das Essen vorzüglich und die Aussicht auf die Berge grandios ist.
Ein Stückchen oberhalb von Simplondorf findet man einen kleinen Rastplatz. Von hier genießt man einen unbeschreiblichen Ausblick auf den Weissmies und den Weissmiesgletscher.
Wolkenfetzen fliegen beinahe greifbar über die Passhöhe, als wir oben ankommen. Hier sind die Spuren des nächtlichen Gewitters noch eindeutig spürbar. Die Luft ist feuchtkalt und der Wind bläst gar fürchterlich. Wir halten uns daher nicht lange auf und nehmen die Abfahrt hinab ins Wallis unter die Räder. Unspektakulär windet sich die Straße hinab nach Brig.

Brig, Grenze zwischen Wallis und Goms?

Brig stellt die Grenze zwischen dem Wallis nach Süden und dem Goms nach Norden dar. Hier befindet sich einer der Knotenpunkte der Furka-Oberalp Bahn und im Mittelalter war Brig ein wichtiger Säumerknotenpunkt für den Handel ins Tessin.
Von Brig ausgehend folgend wir der jungen Rhone, auch Rotten genannt flußaufwärts, denn ihre Quelle am Rhonegletscher zwischen Grimsel und Furka ist unser Ziel.
Das Wallis, vielen nicht bekannt, ist der Kanton mit den meisten Sonnentagen. Entsprechend warm ist es im Goms.
Dieses Hochtal liegt auf 1.300 m und einige leicht bekleideten Biker hatten sich hier schon während einer Tour einen Sonnenbrand geholt.
Zügig kurven wir in Richtung Furkapaß. Die kleinen Ortschaften am Wegesrand zeigen noch den typischen Baustiel der Walser, die dieses Tal in früheren Tagen besiedelt hatten.
Es lohnt sich ab und zu anzuhalten und ein paar schöne Photomotive einzufangen.



Gletsch und der Rhonegletscher


Bei Oberwald haben wir das Ende des Goms erreicht und die Straße windet sich nun in abenteuerlichen Serpentinen links einem Taleinschnitt folgend den Berg hinauf, immer streng der alten Trasse der Furkabahn und der Rhone folgend.
Man genießt einen bombastischen Ausblick auf die Kehren der südlichen Grimselpaßstraße, ja es scheint, als ob der Berg nur aus Kehren bestünde.
Kurz darauf erreichen wir Gletsch. Dieser Ort war in früheren Tagen schon bekannt, war er doch Ziel des englischen Hochadels, der hier angesichts des Rhonegletscher und der guten Luft oft verweilte. Gletsch besteht heute noch aus mehreren Hotels und Herbergen, sowie des Betriebshofes der Interessengemeinschaft Furkabahn.
Diese Interessengemeinschaft hat inzwischen eine Aktiengesellschaft zum Erhalt der historischen Furkabahn gegründet und im Sommer ziehen Kolonnen von freiwilligen den Furka hinauf um die Bahnstrecke wieder einsatzbereit zu bekommen.
In Gletsch teilt sich die Paßstraße. Links schlängelt sie sich zum Grimsel hinauf, rechts folgend erreichen wir den Rhonegletscher am Hotel Belvedere und den Furkapaß.
Doch zuerst genießen wir ein opulentes Mittagsmal auf der Terrasse, mit direktem Blick auf den Rhonegletscher.

Die Furka, Grenze zwischen Wallis und Uri

Wir überqueren die Rhone (Rotten) und folgen nun am rechten Berghang der Furkapaßstraße.Diese Straße wurde über die letzten Jahre Zug um Zug ausgebaut und bietet heute genügend Platz und Sicherheit.Links von uns, an der gegenüber liegenden Bergseite liegt der Rhonegletscher, der sich Stück um Stück näher ins Bild rückt. Kurz unterhalb des Hotels Belvedere liegt hinter einer Serpentine ein kleiner Rastplatz.Von hier aus gelangt man zu Fuß die wenigen Meter zum Rhonegletscher, an den man jedoch aus Gründen der unerwarteten Eisabbrüche, nicht zu dicht herangehen sollte.Wir lassen das Hotel Belvedere mit seinem Touristenrummel rechts liegen und erreichen nach wenigen hundert Metern die Paßhöhe.Von hier oben genießt man einen weiträumigen Ausblick in Richtung Gotthard und Oberalp und einen ungebremsten Blick hinab ins Tal.Diese Paßstraße ist für Leute mit Höhenangst allerdings nur bedingt geeignet.

Furka-Abfahrt und Gotthard–Nordrampe

Oben angekommen, ist erst einmal die berühmte Photosession angesagt. Danach geht es abwärts in Richtung Realp.
Diese Paßstraße ist vom Schwierigkeitsgrad nicht zu unterschätzen. Sehr schmal, mit direktem Blick ins Tal, am Rand nur durch Steinpfosten begrenzt und rege durch Busse frequentiert, schlängelt sie sich in engen Serpentinen nach unten.
Unseren beiden Damen war es dann auch recht mulmig zumute und wir waren froh, als wir unten in einem Stück angekommen waren.
Von hier aus ist es dann nur noch ein kleines Stück bis nach Hospental mit der Abzweigung rechts hoch zum Gotthard. Die Gotthardstraße präsentiert sich im Vergleich zur Furka Ostflanke dann eher wieder wie eine Autobahn. Breit ausgebaut, mit großzügigen Kurvenradien windet sie sich nach oben. Wir hatten Glück.
Vor dem Gotthardtunnel gab es keinen Stau, und somit auf der Paßstraße nahezu kein Verkehr. Schnell war die Paßhöhe mit dem Hospiz erreicht. Kurzer Aufenthalt, und wir fuhren die selbe Strecke wieder zurück.
Gerade mal 15 Minuten dauerte die Abfahrt zurück nach Hospental. Von hier ging es weiter hinab die Teufelschlucht bis nach Wassen, wo wir die Einfahrt zum Sustenpass fanden.



Der Susten und der Steingletscher

Von Wassen aus gewinnen wir erst einmal durch mehrere Spitzkehren und ein paar Steintunnel Abstand zum Talboden, wo der Verkehr auf der Gotthardautobahn tobt. Die Straße legt sich nach Westen und folgt der rechten Talflanke zum Susten. Gemächlich geht es, unterbrochen durch leichte Kurven, bergauf.
Auf halber Höhe ändert sich dann das Bild komplett. Am Ende des Tales angekommen, beginnt nun die Straße nach einem Linksknick unterstützt durch etliche Serpentinen an Höhe zu gewinnen. Wasserfälle rauschen neben der Straße nieder und die Gegend wird steiniger und zerklüfteter.
Es lohnt sich hier die Fahrt kurz zu unterbrechen um die Bergriesen auf sich wirken zu lassen, bevor einen der Scheiteltunnel verschluckt und auf der Westseite ausspuckt. Wir stehen im Schnee, und das im Juli. Etliche Biker nutzen die Gelegenheit für ein Beweisphoto (logisch, wir natürlich auch).

Das Haslital oder die westliche Sustenfahrt

Die Passhöhe ist eigentlich nicht der schönste Punkt. Außer einem Andenkenladen und einer kleinen Gaststätte gibt es nichts. Die wahre Schönheit trifft man drei Kehren weiter. Hier öffnet sich dem Betrachter ein unerwarteter Ausblick auf den Steingletscher, oder sagen wir besser, was von ihm übrig ist. In der Ferne in westlicher Richtung kann man schon Innertkirchen erahnen. Ein Wasserfall bricht über ein Steintunnel durch das die Paßstraße führt und der Betrachter kann die Fahrzeuge den ganzen Weg bis hinab ins Tal verfolgen.
Dieser westlichen Sustenstraße macht es Spaß zu folgen, denn sie wurde komplett neu ausgebaut. Ein Hochgenuß für Bike und Biker. Kurvenschwingen ist angesagt, bis uns die Ankunft in Innertkirchen abrupt erwachen läßt.

Grimselhatz und das Hotel aus Holz

Es ist bereits später Nachmittag und unsere Bikerinnen fangen an sich nach einer Bleibe und einer Dusche zu sehnen.
Da wir oben auf dem Grimsel kein Zimmer reserviert hatten, blieben Inge und Andreas kurz in Innertkirchen, während wir die Grimsel nach oben pfiffen.
Trotz meiner 1.100ccm und 98PS ist es mir nicht gelungen, die leichte KLE500 meiner Frau abzuhängen. Nun ja, ich hatte das ganze Gepäck und meine Kawa wog mit mir auch runde 100kg mehr (nur eine Ausrede – sagt meine Frau).
Nach knappen 20 Minuten waren wir oben. Das erste Hotel oben am Paß heißt Hotel Alpenrösli. Der freundliche Kellner fährt selbst Motorrad, und so waren schnell die besten Zimmer für uns reserviert. Wir ließen dann den Abend bei Hausmannskost ausklingen und fielen danach, sehr früh, müde in unsere Betten.

Der Nufenen und die Murmeltiere

Nach einem kräftigen Frühstück bestiegen wir am nächsten Morgen unsere Motorräder. Es ist schon ein seltsames Gefühl, so früh am Morgen beinahe ganz alleine oben auf dem Grimsel zu stehen und die Schatten der aufgehenden Sonne zu verfolgen. Langsam ließen wir unsere Motorräder an der Grimsel Südseite den Berg hinab rollen, um dann in Gletsch wieder rechts ins Goms abzubiegen.
Wir hatten hiermit den Kreis über Furka, Susten und Grimsel geschlossen. Im Goms angekommen, führt uns in Ulrichen die Nufenen Paßstraße nach links wieder in die Berge. Wir wollen über diesen Paß wieder zurück ins Tessin und über die alte Sankt Gotthard Straße zurück zum Lago Maggiore.
Am Nufenen findet man selbst im Juli noch riesige Schneewächten und Murmeltiere spielen ungeachtet des Verkehrs neben der Straße. Über die Passhöhe pfeift immer ein sehr heftiger und böiger Wind und sorgt für Druckausgleich zwischen dem Tessin und dem Wallis.
Die Straße von Ulrichen hoch, schmal aber mit gutem Belag, die Abfahrt ins Tessin besteht zum größten Teil aus Betonplatten. Hier ist speziell in den Serpentinen Vorsicht geboten.

Der alte Gotthard

Von Airolo, über Ambri, Faido nach Biasca folgen wir der ehemaligen Gotthardstraße. Die Straße windet sich zwischen den Berghängen von links nach rechts und wird das eine mal von der Gotthardeisenbahn und das andere mal von der Autobahn geschnitten.

Bizzare Felsen, kühne Eisenbahnkonstruktionen und elegante Autobahnbögen unterbrechen die Fahrt des öfteren. Interessant ist vor allem die Gotthardbahn, die sich in mehreren Tunnels nach oben schraubt.

Wie in einem Karussell verkehren die Züge bergauf und bergab im 5 Minuten Takt. Die Landschaft verändert sich in einzelnen Stufen. Oben bei Airolo noch schroffe Felsen und schmale Schluchten, folgt die erste Terassenstufe in der Höhe von Faido, wo die Bahn ebenfalls über mehrere Kehrentunnel den Höhenunterschied kompensieren muß.

Danach ein etwas geweitetes Tal, welches sich kurz vor Biasca zur Talebene nach Bellinzona hin ergießt, überwacht von der alten Festung kurz vor Bellinzona. Da so gut wie kein Verkehr herrscht, erreichen wir bald darauf Biasca und halten uns rechts entlang der Berge über Lodrino und Moleno in Richtung Locarno.

Das Cento Valli

Locarno wird inzwischen durch ein Tunnel umfahren, welches uns recht zügig nach Tegna und ins Cento Valli bringt. Das Tal der hundert Täler ist mehr oder weniger eine ganz smale Straße, die am rechten Berghang angeklebt uns in tausenden von Kurven in Richtung Domodossola bringt.

Eine reale Geschwindigkeit von mehr als 30km/h ist kaum realisierbar, was uns erlaubt die Landschaft dieses Naturspektakels in allen Details zu genießen. Kommt dann einmal ein Auto entgegen, wird es eng, denn die Italiener kennen diese Strecke und fahren entsprechend zügig.

Bei Re überqueren wir die Grenze, zurück nach Italien. Hier öffnet sich die Straße wieder auf eine normale Breite und über Santa Maria Maggiore erreichen wir dann wieder Domodossola und streben dem Lago Maggiore unserem Ausgangsziel zu.

Auf dem Zeltplatz angekommen, stürzten wir uns zu allererst in die Fluten des Lago und ließen dann die Tour bei einer guten Pasta ausklingen.

Bella Italia!



Autor: © Dietrich Pals Mai 2000 / Bilder Dietrich&Heidi Pals www.AlpenTourer.de







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