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Reiseberichte: Schöni's Korsika Motorrad Tour 1998 Geschrieben am Dienstag, 25.Januar. @ 14:11:25 CET
Thema: Reiseberichte und -vorschläge
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Als wir letztes Jahr mit den Motorrädern am Gardasee waren, haben wir beschlossen, daß wir dieses Jahr für mindestens 3 Wochen nach Korsika und Sardinien fahren. Da ich etwas mehr Urlaub als geplant für meine Diplomarbeit verbraten mußte, wurden leider nur 2 Wochen daraus und folglich wurde Sardinien wegen Zeitmangel gestrichen. Nach noch einigen Terminschwierigkeit konnten wir uns dann auf die ersten beiden Juli-Wochen einigen.
Am Freitag, den 3. Juli 1998 starteten wir dann tatsächlich. Bedingt durch meinen Urlaubsmangel konnten wir allerdings
erst gegen 15 Uhr losfahren. so daß unser erstes Etappenziel nur
Marktoberdorf war. Geschickterweise wohnt dort nämlich die Tante
unseres Kawa Treibers, so daß wir eine sehr nette und bequeme
Gelegenheit zum Übernachten hatten. Nach einem wirklich opulenten
Frühstück und fast herzzerreisender Abschiedsszenen sind wir dann gegen
11 Uhr zu unserer zweiten Etappe gestartet. Anvisiertes Ziel war Torri
am Lago di Garda.
Da wir für die geplanten 350 Kilometer bis nach Torri eigentlich den
ganzen Tag Zeit hatten, haben wir uns natürlich eine schöne Strecke
über das Timmelsjoch ausgesucht. Es war am Timmelsjoch so eisig kalt
(es lag sogar stellenweise noch Schnee), daß wir uns recht schnell
wieder auf die Abfahrt stürzten.
Das mit dem Stürzen nahm ich wohl etwas zu wörtlich, denn bei der
Abfahrt auf der italienischer Seite meinte ein etwas älterer
Ostdeutscher in einer 180 Grad Kehre anhalten zu müssen. Anscheinend
weil es der Verkehr erforderte. Für mich war seine Aktion nicht ganz
nachvollziehbar, da ich mir just in diesem Moment überlegt hatte, ihn
zu überholen. Nun ja, was kommen mußte kam und ich dozzte ihm im
Schritttempo mit blokierendem Vorderrad hintenrein.
Schadensbilanz : Ein Kratzer mehr am Sturzbügel, etwas Benzin weniger
im Tank und eine lackierte Stoßstange mit Gummistreifen und Kratzer von
meinem Vorderreifen beim Unfallgegener. Geschickterweise bin ich auf
meinen Füßen gelandet, so daß mir überhaupt nichts passiert ist und wir
nach dem Austausch einiger "Nettigkeiten" und kurzem Check des Mopped
weiterfahren konnten. Die restliche Fahrt war zum Glück weniger
spektakulär, so daß wir dann doch schon gegen 20 Uhr in Torri eintrafen
und eine halbe Stunde später uns total erschöpft (es hatte mittlerweile
über 30 Grad) ins Gras des Campingplatzes werfen konnten. Zelt
aufbauen, Duschen, dann ne Pizza und ein paar Bier. Den nächsten Tag
wollten wir erstmal am Gardasee bleiben, da es hier ja auch einige
schöne Sträßchen gibt, die es zu befahren gilt.
Am Sonntag sind wir dann bis zum Verbotsschild den Altissimo
hochgefahren und haben noch etwas die bei unserem letzten Gardasee Trip
ein bißchen vernachlässigte Ostküste abgegrast. 200 KM später konnten
wir nochmals Pizza, Wein und leckeres Eis geniessen. Und das zu
Preisen, denen wir später noch nachweinten.
Am Montagmorgen war nach unserer obligatorischen Frühstücksformation
(alle 3 Motorräder sternförmig mit dem Heck in der Mitte, und dann alle
falsch rum auf das Motorrad sitzen - so lassen sich fehlenden
Campingtisch und Stühle gut kompensieren) erst mal packen angesagt.
Nach exakt 409 KM kamen wir um 19.30 in Livorno an. Lustigerweise ist
die letzte Fähre an diesem Tag um 19.00 Uhr gefahren. Nachdem wir erst
mal stundenlang ein Fährbüro Namens Navarama, bei denen man angeblich
auf dem Schiff übernachten kann, gesucht hatten und irgendwann
feststellen mußten, dass das von Moby Lines aufgekauft wurde, entdeckten
wir zum Glück ein äquivalentes Angebot - Mobby Night. Man kann das
Mopped bis 23.00 Uhr verladen (und wichtig: selbst verzurren !), an
Bord in der Kantine sogar relativ günstig Abend essen und sich danach
in der etwas zu kleinen und stickigen Kabine aufs Ohr hauen. Am
nächsten Morgen wird man pünktlich um 7 Uhr durch das Schaukeln beim
Auslaufen geweckt und ist um ca. 12 Uhr in Bastia.
Durch das Stadtgewühl in Bastia schlängelten wir uns auf der Suche nach
einem Campingplatzn entlang der Ostküste Richtung Süden. Ein paar KM
nördlich von Aleria entdeckten wir einen netten schattigen Campingplatz
mit eigenem Pinienwald. Der nette Campingplatzbesitzer lieh uns sogar
kostenlos Campingtisch und Stühle, so daß wir ein paar Tage ohne
Frühstücksformation leben mußten.
Am Mittwoch starteten wir zu unserer ersten Tour ins Inland. Kurz nach
Fratta ging es auf der D17 Richhtung Piobetta, D71 Richtung Groce, D515
Richtung Porta, D205 auf D506 Richtung Taglio, D330 auf D71 Richtung
Prunette. Auf dem letzten Stück zurück wurden wir mit herrlichem Blick
auf das Meer belohnt. Am nächsten Tag kam die erste Tour, die mein Herz
höher schlagen ließ. Bei Fayone die D168, die nach den ersten Metern
zur Piste wird, Richtung Conca und dann weiter Richtung Zona. Meine
Begleiter waren von der Strecke leider nicht ganz so erfreut wie ich,
da sie mit ihren Straßen Motorrädern etwas langsamer fahren mußten.
Zurück ging es dann auf eher schlechtem Asphalt Richtung Sari-
Solenzara, wo wir auf der Strecke noch an einem Fluß mit genialen
aufgestauten Badebecken uns den Staub aus den Knochen planschen
konnten.
Am Freitag packten wir morgens unsere Moppeds und machten uns wie
geplant auf den Weg weiter Richtung Süden. Wir wollten möglichst viel
von der Insel sehen, so daß wir beschlossen haben, maximal 3 Tage auf
einem Campingplatz zu bleiben. Unsere erste größere Rast machten wir in
Bonifacio, der südlichsten Stadt Kosikas. Hier bestaunten wir zwar
hauptsächlich die Yachten der Reichen, aber auch die Altstadt ist
äußerst sehenswert. Da wir aber leider nicht alle Zeit der Welt hatten
uns Bonifacio anzusehen, machten wir uns auf, entlang der Westküste
einen Campingplatz zu suchen. Aber wir waren uns ziemlich sicher, daß
wir nochmal nach Bonifacio zurück kommen würden für einen ausgiebigen
Stadtbummel. Am Abend hatten wir dann einen Campingplatz an einer Bucht
mit einem sehr schönen Strand gefunden. Leider mußten wir unsere
Moppeds auf dem Camping eigenen Parkplatz abstellen, was uns sehr
mißfallen hat. Frühstücksformation fiel also leider aus. Zum Glück
hatten wir noch die Prolo Klapphocker für 14DM/Stück dabei, und selbst
auf den popeligen BMW Koffern läßt sich Essen. Die Grimassen zogen wir
nicht etwa, weil wir ständig das BMW Logo beim Essen sehen mußten,
sondern weil sich die gekaufte Tomatensauce als reines Chilli Gewürz
herausstellte. Am Samstag war erst mal extreme Stranding angesagt ;-).
Nach dem der Strand mit Löchern und Burgen übersäht war und wir
mindestens 5 mal die ganze Bucht abgeplanscht hatten, beschlossen wir
mittags nochmals nach Bonifacio zu fahren und uns mit genügend Zeit die
Altstadt anzusehen.
Am Sonntag gab es endlich mal wieder ne richtige
Tour ins Inland. Bei Sartene sind wir auf die D65 Richtung Bilzese und
dann auf einer Erdpiste weiter bis Radicci. Wer die Strecke rausgesucht hat, brauche ich wohl nicht zu sagen. Am
Ende mußte ich mir die wüstesten Beschimpfungen anhören, aber mein
Grinsen konnten die mir auch nicht austreiben. Ab Radicci ging es dann
auf der D65 wieder auf Asphalt Richtung Levie und S.Lucie zurück nach
Sartene. Obwohl die Straßen sehr schlecht waren, und hinter jeder Kurve
Schotter, Sand, Kühe, Schweine oder Ziegen lauern und man deshalb nie
allzu schnell fahren kann, waren wir total begeistert. An das
Wegrutschen des Hecks in den leicht sandigen Kurven gewöhnt man sich
schnell ;-).
Am Montag war mal wieder Zeltabbau und Packen angesagt. Jörg muß wohl
morgens noch zu lange in der Sonne gelegen haben, sonst läßt sich sein
Tarzan mäßiger Auftritt auf seiner LTD kaum erklären.
Als dann alle wieder etwas klarer sind, gehts auf der N196 in
nördlicher Richtung nach Ajaccio und dann auf der D81 über Cargese,
Piana, Portu nach Partinello. Die Strecke zwischen Piana und Portu
gehören zum schönsten was die Insel landschaftlich zu bieten hat.
An den bizarren Felsformationen, die in der Sonne rot leuchteten,
konnten wir uns fast nicht satt sehen. Auch die Strecke war genial, und
ohne die dosentreibenden Touries könnte man's hier so richtig knallen
lassen.
Nach Partinello meint Christoph, das er an der nächsten Tankstelle
halten sollte, da er gerade auf Reserve geschalten hat. Doch die
nächste Tankstelle läßt ziemlich auf sich warten, und mit praktisch dem
letzten Tropfen Sprit kommt Christoph an einer Tankstelle, die mitten
im Nichts, auf Höhe des Abzweigs nach Galeria steht, an. Gerade noch
ohne Umschläucheln geschafft.
Zwischen Calvi und Galeria, soll ein sehr schöner Campingplatz sein,
den man nur mit geländetauglichem Gerät erreichen kann. Leider konnte
ich meine Begleiter nicht davon überzeugen dort hin zu fahren und so
sind wir kurz nach Calvi noch vor L'ile Rousse auf einem netten
Campingplatz gelandet. Von unserem zukünftigen Nachbarn aus dem Ruhrpott wurden wir mit
frischen Pommes und einem Teller Fischsuppe begrüßt. Wir revanchierten
uns, indem wir die 15jährige Tochter und ihren Freund mit Bier
ausgehalten haben.
Am Dienstag wollten wir den höchsten Berg Korsikas mal "anfahren". Über
Corbara, Monticello, Belgodere und Speloncato ging es nach Castifao.
Von dort ging es über die Ascotal Straße auf Asphalt bis zur
Bergstation hinauf. Früher war der letzte Teil anscheinend nicht
asphaltiert, aber mittlerweile kommt man auch mit nem Joghurtbecher bis
auf die 2000m. Die Straßen waren absolut genial, aber diese hier war der Abschuß:
Trotzdem daß die Straße so schmal war, daß gerade 2 Motorräder aufrecht
aneinander vorbeikommen, war ein Mittelstreifen eingezeichnet.
Abends wollten wir den Sonnenuntergang bei dem Leuchtturm, den man nur
über einen ziemlich schlechten (gut!) Weg erreichen konnte. Leider
begann es schon zu dämmern, als wir den Weg erreichten. Doch mich konnt
niemand mehr von diesem Weg abhalten. Also rief ich meinen Kollegen zu
, daß sie auf mich warten sollen, da ich es probieren wollte. Nach dem
ersten KM im stehen fahrend passierte ich eine Frau in Leder, die mich
freundlich grüßte. Leider konnte ich keine Hand vom Lenker nehmen um
zurück zu grüßen. Nach noch einem KM sah ich ihren Begleiter sich mit
seiner R100R Mystic im Schritttempo vorkämpfen. Auch hier langte es
nicht zum Gruß, da ich unbedingt den Sonnenuntergang vom aus Leuchtturm
sehen wollte. Doch bis ich ankam war es leider zu spät.
Meine Kollegen, die sich auch 500 Meter in diesen Weg gekämpft hatten,
aber dann zwecks mehrerer Aufsetzter aufgaben, erreichte ich dann fast
in völliger Dunkelheit. Auf dem Rückweg vollführte Jörg auf seiner LTD
einige artistische Einlagen, die an der Stelle als der Weg wieder auf
die Straße führte in einem leichten Salto über die Kawa endete. Zum
Glück ist außer ein paar Schrammen am Motorrad und nem verbogenem
Blinker nichts passiert, so daß wir darüber herzlich lachen konnten. Zurück am Campingplatz trafen wir dann noch völlig zufällig eine alte
Bekannte von mir, die mit zwei Freunden auch mit dem Motorrad hier war.
Die Welt ist doch ziemlich klein.
Am Mittwoch den 15.7. machten wir die legendäre Runde ums Cap Corse, die sehr schön war. Am Donnerstag starteten wir, nachdem wir den Campingplatz bezahlt hatten,
um 16.30 auf einer Rüttelpiste Richtung Bastia. Dort suchten wir uns
ein Restaurant zum Essen. Es war das Restaurant mit dem besten
Preis/Leistungsverhältnis in dem wir waren. Das Restaurant hieß "Lion
D'or" und ist nur ein paar Gehminuten vom Hafen weg. Um 23 Uhr
enterten wir die Fähre der Korsika Ferries, und bezogen unsere im
Vergleich zu Moby Lines luxoriöse Kabine.
Freitag um 7 Uhr spuckte uns die Fähre in Savona (bei Genua) aus. Ein
Pärchen auf einer DR650, mit denen wir auf der Überfahrt geplaudert
hatten, schloss sich uns an und so zogen wir zu fünft weiter. Auf dem Rückweg ging es nur über Landstraßen und Pässe durch die Schweiz. Am eindruckvollsten fand ich den Grimselpass. So gegen 18 Uhr trafen wir am Titisee bei Neustadt ein und suchten uns
einen Campingplatz für die Nacht. Abends genossen wir, traurig, daß der
Urlaub zu Ende sein sollte, eine letzte Flasche Martini Bianco und
verkrochen uns recht früh, bei anfangendem Nieselregen, ins Zelt.
Am nächsten Morgen gab es nach einem mißtrauischem Blick nach oben ein
Blitzfrühstück. So sind wir noch vor 9 Uhr losgekommen und dem Regen
weitgehend davongefahren. Beim einzigen heftigeren 5 Minuten Schauer
hielten wir glücklicherweise gerade zum Tanken.
Unser Maskottchen, das Christoph aus dem Aldi Film-Dreierpack gezaubert
hat, hat die 4000KM unsere Tour mit etwas Blumendraht befestigt gut
überstanden. Gerade Abends sorgte es immer für Aufsehen und Gelächter,
da es durch den Scheinwerfer richtig leuchtete.
Nun noch ein paar unschöne Daten :
Liter Benzin - ca 2,30 DM.
Essengehen - teuer und meist wenig (Ausnahme Bastia) - Es empfiehlt
sich in der Regel ein Menue zu nehmen. Nur so hat man die Chance satt
zu werden und nicht viel mehr als 30 DM auszugeben.
Essen (kochen) - deutlich billiger als Essen gehen, doch auch die Zutaten sind weit teuerer als in Deutschland.
Bier - am günstigsten waren die Einheimischen 24er Pack mit 0,25l
Flaschen und 5 Umdrehungen pro Liter, die auch nicht schlechter als
Kronenburg schmeckten.
Verkehr - Lebensgefährlich wie die Korsen fahren. Wenn man selbst
vorsichtig fährt sind die Chanchen von hinten umgemäht zu werden groß.
Also besser Fahrstiel anpassen
Campingplätze - meist teuer (Niveau Süditalien) und Sanitärs sind eher "dürftig" aber für meine Ansprüche durchaus aktzeptabel.
Straßen, Strecken - Hmmmmmm :-)
weiter Tipps zum Teil nun vom Korsika 2000 Trip :
Fähre: Nachtfähre spart einen Tag (Abfahrt Savona 23 Uhr, Ankunft Bastia 7 Uhr)
Wird angeboten von Corsicaferries.
Kosten: 1 Person 44000 Lire
1 Mopped 68000 Lire + 13500 Lire Steuern
Wenn man "open return bucht" (Rückreise wird gleich mitbezahlt aber man kann
noch bestimmen wann man überschiffen will) spart man bei 2 Personen und 2 Moppeds 68.000 Lire.
Essen: In Bastia lässt sichs auf der ganzen Insel am günstigsten essen.
Gut und billig "Lion D´or" im Ortskern ca 3 Minuten zu Fuß vom Hafen
Strand: "Plage de Saleccia" in der "Desert des Agriates"
Absoluter Traumstrand (Südseelike) mit Campingplatz (400m vom Strand weg)
Aber: 12 KM Anfahrt auf ausgewaschener Sandpiste - mit der Enduro sehr spassig ;-)
Mit dem Straßenbike wahrscheinlich eher nervig.
Copyright auf Text und Bilder liegen bei http://www.schoeni.de
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Re: Schöni's Korsika Motorrad Tour 1998 (Punkte: 1) von summi auf Freitag, 11.Februar. @ 10:49:52 CET (Userinfo | Artikel schicken) | ach ich könnte gleich losfahren nur leider ist mein Moped noch im Winterschlaf!! (Blödes Saisonkennzeichen)
Die Sonne ruft ja schon wieder!
Eine klasse Tour seit Ihr da gefahren und ein schöner Bricht!
Grüße von summi |
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